Aerticket: Airlines sollen Kunden nicht verprellen

Ein Beitrag aus der Wochenzeitung touristik aktuell vom 6.5.2020

Der Flugticket-Großhändler Aerticket prangert die Praxis der Fluggesellschaften an, die rechtswidrig eine Erstattung der Gelder verweigern. „Selbstverständlich haben wir Verständnis für Liquiditätsprobleme, die haben wir auch“, so Aerticket-Gründer und Geschäftsführer Rainer Klee. Aber so wie man bei Aerticket Lösungen im Kleinen gefunden habe oder Reserven nutze, „so müsste jede Airline längst im Großen einen Weg zu Zuschüssen, Beteiligungen, Kapitalerhöhungen usw. gefunden haben, die ihr erlauben, ihren Kunden die Tickets zu erstatten“.

Gleichzeitig fordert Klee von der Flugbranche mehr Kreativität bei der Gutscheinlösung und gleichzeitig die Reisebranche zum gemeinsamen Handeln auf. Man unterstütze die Gutscheinlösung und promote diese auch aktiv. Vor allem, wenn damit ein finanzieller Vorteil für die Kunden verbunden ist.

„Unserer Meinung nach hat es jede Airline selbst in der Hand, Anreize in Form von Gutscheinen, Rabatten, Hotelvouchern, kostenlosem Zugang zur Lounge etc. anzubieten“. Seien die Anreize attraktiv genug, dann würden 80 Prozent der Kunden diese auch akzeptieren, so dass lediglich für 20 Prozent eine Auszahlung organisiert werden müsste. „Leider passiert hier viel zu wenig“, bedauert Klee.

Der Ticketgroßhändler hat laut Klee in der vergangenen Woche seine Kunden zum Thema „Gutscheine oder Erstattung“ befragt und knapp 1.000 Antworten ausgewertet. Demnach fordern Reisebüros die Fluggesellschaften dringend dazu auf, sich an das Gesetz zu halten und die Tickets zu erstatten.

Vor allem die Veranstalter zeigten kein Verständnis für die Verweigerungshaltung der Airlines. Schließlich hätten sie selbst gerade massive Probleme, da sie ihren Kunden innerhalb von 14 Tagen den Reisepreis zurücküberweisen müssten. Dennoch würde die Mehrheit der Reisebüros die Carrier dabei unterstützen, den Kunden auf freiwilliger Basis überwiegend Gutscheine anstelle einer Erstattung anzubieten. Aus Sicht der meisten Agenturen müssten diese Gutscheine aber mindestens zehn Prozent des Wertes als zusätzlichen Bonus umfassen.

Klees mahnt die Airlines: „Viele von euch stoßen ihre Kunden vor den Kopf und verhalten sich so, als würden sie nie wieder ab Deutschland fliegen wollen. Der Imageverlust ist enorm!“ Er fordert eine stärkere Zusammenarbeit. „Ihr bietet den Kunden attraktive Gutscheine auf freiwilliger Basis an, wir unterstützen euch und promoten die Gutscheinlösung bei den Reisebüros.“

Aerticket appelliert an die Bundesregierung, die Absicherung von Reisegutscheinen durch Bereitstellung eines Fonds zu ermöglichen. Die Gutscheine sollten bis Ende 2022 gültig sein und auf andere Personen und Routen übertragbar sein, sonst seien sie vor allem für Reiseveranstalter nahezu wertlos.

Bei Umbuchungen sei es zudem wichtig, „Cabin to Cabin“ und nicht „Class to Class“ zu erlauben, so dass wenn die ursprünglich gebuchte Buchungsklasse nicht verfügbar sei, eine höhere Buchungsklasse erlaubt sei. Letztere Forderung gehe explizit an die LH-Gruppe.