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Das Geld geht an die Großen und viele der kleinen und mittleren Touristikunternehmen werden in die Insolvenz getrieben (26.5.2020)

Liebe Kunden,
Liebe Freunde,

sicher haben Sie gehört, dass jetzt auch die Lufthansa Hilfen vom Staat bekommen wird. Natürlich nicht nur KfW-Kredite, sondern zudem einen Zuschuss als stille Einlage über 4,7 Milliarden Euro über den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Insgesamt erhält die Airline ca. 9 Milliarden Euro vom Steuerzahler.

Die staatliche Förderbank KfW und die TUI Group haben schon im April den Vertrag für einen Überbrückungskredit in Höhe von 1,8 Mrd. Euro unterschrieben. Die Rewe Group hat sich mit einer vorsorglichen Kreditlinie ihre Liquiditätsreserven auf 2,5 Mrd. Euro erhöht. Der Reiseveranstalter FTI aus München erhielt ebenfalls schon im April Rückendeckung in der Krise. Mit Bürgschaften von Bund und Bayern wurde ein Finanzierungspaket für die kommenden zwölf Monate erarbeitet.

Es geht uns hier nicht um Neid und es ist gut, dass man Unternehmen in dieser Krise hilft. Auch wenn man sich fragen kann, warum Unternehmen Milliarden als Zuschuss bekommen die jahrelang ebenso viele Milliarden Gewinn gemacht haben.

Was ist aber mit den vielen kleinen und mittelständischen Reisebüros und Reiseveranstaltern? Warum werden wir im Regen stehen gelassen? Mit Gerechtigkeit oder gar Chancengleichheit hat das nichts zu tun.

Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn sich die Asia Tours GmbH demnächst in die Liste der insolventen Reiseunternehmen einreihen muss. Durch die Covid-19-Krise und deren Folgen wie Corona-Shutdown und internationale Reisewarnung wurde uns die Geschäftsgrundlage entzogen. Wie sollen wir also Kosten für viele Monate schultern ohne Einnahmen und irgendein praktikables Hilfsprogramm? Trotz Kurzarbeit müssen sich einige unserer Mitarbeiter um die Abwicklung der abgesagten Reisen kümmern. Das kostet Geld, ebenso wie die allgemeinen Betriebskosten für unsere vier Büros die weiterhin monatlich anfallen.

Übrigens haben wir bis heute immer noch keine Rückzahlungen der Airlines für zur Erstattung eingereichte Tickets erhalten. Auch nicht von der Lufthansa! Es fehlt uns da nach wie vor insgesamt ein sechsstelliger Betrag. 

Nun soll die weltweite Reisewarnung am 15.6.2020 zum Teil aufgehoben werden. Interessanterweise spricht man aber nur von europäischen Zielen. Für Länder wie Thailand und andere Ziele in Südostasien wird die Reisewarnung offensichtlich bestehen bleiben, obwohl es hier so gut wie keine Corona-Fälle mehr gibt. Somit wird unser Geschäft weiterhin blockiert, selbst dann, wenn unsere Zielgebiete wieder ausländische Gäste unter Auflagen akzeptieren werden.

DRV-Präsident Norbert Fiebig stellte bereits Ende April fest: „Die Reisewirtschaft ist ein ökonomisches Schwergewicht in Deutschland. Allein bis Ende April sind bereits über 4,8 Mrd. Euro Umsatzausfälle zu beklagen. Es ist zu befürchten, dass die Mehrheit der 11.000 Reisebüros und über 2300 Reiseveranstalter diese existenzielle Bedrohung durch die Corona-Pandemie nicht überstehen und damit Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gehen, wenn die Bundesregierung nicht bald einen Schutzschirm über die Branche spannt.“

Konkrete Hilfsmaßnahmen gibt es bis heute nicht. Und auch der diskutierte Rettungsfonds scheint nur wieder eine Luftnummer zu werden, wie auch schon die angedachte verpflichtende Gutscheinlösung.

America-Unlimited-Chef Timo Kohlenberg kritisiert, dass die Politik über Kaufprämien für Autos nachdenkt, statt der Reisewirtschaft wirksam beizuspringen. Er stellt außerdem fest: Die kleinen Pakete helfen uns als Veranstalter mit 25 Mitarbeitern kaum. Hier in Niedersachen haben wir über die landeseigene NBank die Möglichkeit, 20.000 Euro als Soforthilfe zu bekommen. Diese sind bei uns in ein bis zwei Tagen ausgegeben. Ähnliche Programme gibt es noch mal über die Stadt Hannover. Ansonsten bleiben für Firmen unserer Größe nur die KfW-Programme mit 90 oder 100 Prozent Haftungsausschluss.
Leider verlangen die Hausbanken meist hohe private Sicherheiten oder Bürgschaften von den Inhabern. 90 bis 100 Prozent Haftungsausschluss heißt also nicht, dass wir von der Haftung freigestellt werden, wie es in der Presse und von der Politik gern rübergebracht wird. Hier gibt die Politik der Hausbank praktisch einen Blankoschein, die Hausbank gibt ihn aber nicht weiter. Es kann doch nicht sein, dass man auch noch privat reingezogen werden könnte.

Auch der Bundesverband der Tourismuswirtschaft fordert einen Rettungsschirm und kritisiert:
„Der von der Bundesregierung beschlossene Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) helfe kaum, da 97 Prozent der Unternehmen der Tourismuswirtschaft weniger als 20 Beschäftigte zähle und somit für den WSF nicht in Frage kommen. Der gesamten Tourismuswirtschaft werden in diesem Jahr mehr als 100 Mrd. Umsatz fehlen“ prognostiziert BTW-Präsident Michael Frenzel. „Die aktuellen Kreditprogramme führten bei den allermeisten Unternehmen in die Überschuldung. Daher brauchen wir einen Rettungsfonds der hilft, Verluste von mindestens 16 Mrd. Euro abzufangen. Es stehen mehr als 1,2 Mio. Arbeitsplätze auf dem Spiel“, so Frenzel.
Der Verband verweist darauf, dass vier Prozent der Gesamtwertschöpfung auf die Querschnittsbranche Tourismus entfallen und die Branche inklusive des deutschen Gastgewerbes rund drei Millionen Menschen beschäftige.

Grünen-Politiker Markus Tressel wirbt für eine schnelle finanzielle Unterstützung der Touristik. „Uns läuft die Zeit davon“, sagt er mit Blick auf den für die Branche dringend benötigten Hilfsfonds. Einen Plan, der unter anderem umfangreiche Hilfen für kleinere Betriebe und ein Modell zur künftigen Insolvenzabsicherung umfasste, hatten die Grünen entworfen. Doch bevor Die Grünen ihren Vorschlag im Bundestag vorstellen konnten, wurde er von den regierenden Parteien abgeschmettert.

Wir werden bald sehen, wohin der Weg führt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute!

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